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30. Information über den Fortgang des Projekts Oqharikuna
1.3. 2009 – 30. 11. 2009
15 Jahre Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die kein Zuhause haben
Vor fünfzehn Jahren haben wir mit unserem Projekt Oqharikuna begonnen, Oqharikuna ist ein Ketchuawort und bedeutet „stehen wir auf – pack ma‘s an“. An einem 8. November war die Hausübergabe in der Tarapacá 59. Wir begannen mit der Arbeit: Kinder und Jugendliche der Strasse in Sucre, Hauptstadt Boliviens, zu betreuen. Die Planung enthielt folgende Standorte für die Betreuung:

Casa Tinkuy
war der erste Schritt des Projekts, hier wurden sechzig Kinder und Jugendliche, sowohl vormittags als auch nachmittags betreut. Wir begannen mit dieser Arbeit am 2. Jänner 1995. Von diesem Tag bis 2007, also 13 Jahre, wurden viele Generationen von Kindern und Jugendlichen ausgebildet, die heute Erwachsene sind mit Beruf und Familie. In dieser Zeit wurden im Casa Tinkuy um die 371.800 Kinder betreut, die 202.800 warme Teller, 40.560 Liter Milch und 67.600 Liter Joghurt empfingen.
Auch wurden sie gesundheitlich von unserer Ärztin betreut, die unermüdlich die Erziehung in Hygiene, Gesundheit und Umwelt vermittelte.
Der Hauptbereich der Arbeit in diesem Haus war die Hilfe bei den Hausaufgaben, was dazu führte, dass alle Tinkuyaner immer das Schuljahr schafften und nicht vorzeitig abbrachen. Ging ein Kind nicht zur Schule, wurde es von uns angemeldet und zum regelmäßigen Schulbesuch hingeführt. Es war die wichtigste Aufgabe in diesem Haus, denn Schulbildung ist der Grundstock für ihr weiteres Leben.
Nebenbei lernten sie im Haus Tinkuy auch: die Herstellung von Brot, Nudeln, kochen, stricken und häkeln, sowie die Herstellung von kleinen Kunstwerken aus den verschiedenen Materialien.
Es ist eine große Freude, sie heute in der Straße zu treffen und zu hören, dass sie inzwischen Lehrer sind oder Krankenschwestern oder ähnliches, oder noch an der Universität studieren , oder die Ausbildung in einem Handwerk beendet haben.
Anfangs funktionierte die Arbeit von Tinkuy in der Tarapacá, wurde aber bald in den strategischen Stadtbezirk „Bauernmarkt“ verlegt, wo sich die meisten Bedürftigen aufhielten. Bis 1997 mieteten wir ein Haus, um dann ein eigenes zu kaufen, in dem sich die Tinkuyaner sehr gut aufgehoben fühlten.
Casa Stefan
Ist der zweite Schritt des Projekts, das Internat von Oqharikuna, das von Anfang an mit Kindern und Jugendlichen bewohnt wurde, die praktisch kein Zuhause hatten und in den Straßen von Sucre lebten. Wir hatten großes Glück, wir fanden ein wunderschönes großes Haus mit großem Garten und Wassertank, was uns erlaubte, diesen Kindern von der Straße ein behagliches Zuhause anzubieten.
Anfangs wohnten im Haus Stefan (der Name ist in Gedenken an den Sohn des Spenders) dreißig Kinder. Im Laufe der Jahre gelang es uns viele neue Räume zu bauen und so das Gelände für unsere Ziele zu verändern: ein Studierraum für die Älteren, 10 neue Schlafräume, 6 Toiletten und Bäder mit Duschen betrieben mit Sonnenenergie fürs warme Wasser, so dass wir letztendlich die Möglichkeit haben fünfzig Kinder im Heim unterzubringen.
Seit Oqharikuna im Jänner 1995 mit der Arbeit mit den Kindern begonnen hat, wurden 142 Kinder im Internat aufgenommen und betreut. Vierzig leben derzeit in ihrem Casa Stefan, von denen 7 ein Jahr, 5 drei Jahre, 23 sechs Jahre, 4 acht Jahre und 1 neun Jahre schon hier sind.
Von den 102 Kindern, die im Casa Stefan waren, ist deren Aufenthaltszeit folgende: 29 Kinder blieben ein Jahr oder weniger im Heim, 30 Kinder drei Jahre, 26 Kinder und Jugendliche sechs Jahre, 8 Heiminsassen acht Jahre, 4 blieben neun Jahre, 2 blieben zehn Jahre und 3 elf Jahre.
Die meisten von ihnen sind inzwischen Erwachsene mit Familie und geregeltem Leben und Arbeit. Oft kommen sie uns besuchen und erzählen von ihren Fortschritten in ihrem Leben nach der Kindheit in Oqharikuna.
Hauptaugenmerk in Casa Stefan wurde in den regelmäßigen Schulbesuch gelegt, Oqharis waren meistens die besten Schüler der Klasse. Auch freien Universitätszugang konnten wir bei einigen Oqharis verzeichnen, sie waren die besten Abiturienten der Schule.
Vier Heimabgänger arbeiten inzwischen mit im Projekt:
Celin, der leitende Landwirt von unserem Milchbauernhof in Quinray Punilla, er wuchs in unserem Haus auf und studierte Agronomie und arbeitet seit fünf Jahren dort, mit recht guten Ergebnissen.
Cesar, studierte Zollwesen und Außenhandel und arbeitet seit zwei Jahren als Erzieher und Hilfskraft der Leitung,
Ruben, der in diesem Jahr ein technisches Studium (Metallmechanik) erfolgreich beendet, arbeitet stundenweise als Eishersteller und
Luis Macias ist Inspektor an unserer Tankstelle.
Andere befinden sich noch im Studium oder arbeiten in verschiedensten Berufen.
Die Ausbildung in Oqharikuna ist neben dem täglichen Schulbesuch sehr vielseitig. Sie lernen auch den Betrieb einer kleinen Molkerei kennen und wie wird aus Milch Joghurt, Käse und Eis hergestellt.
Nachdem wir im Jahre 1996 eine Lehrschreinerei auf dem Heimgelände einrichten konnten, ist auch dieses Handwerk auf dem Tagesplan für die Kinder ab zwölf Jahren. Wenn sie das Heim verlassen, sind sie kleine Meister in der Tischlerei. Manche unserer Abgänger arbeiten in Tischlereien in Sucre.
Es ist uns wichtig, dass die Kinder im Haus eine gute Arbeitshaltung lernen, was sie in ihrem früheren Straßenleben nicht kannten. Nur so werden sie dann ihr Berufsleben meistern können.
Sie lernen außerdem kochen, Brot backen, Computerbedienung, ihre Wäsche waschen und natürlich auch, wie verbringe ich sinnvoll meine Freizeit. Ein kleiner Sportplatz auf dem Heimgelände erlaubt ihnen alle Ballspiele etc. zu erlernen.
Einigen unserer Abgänger haben wir es ermöglicht, den Führerschein zu machen, was hier nicht soo kostspielig ist, aber einen weiteren Berufszweig abdeckt, den des Chauffeurs.
Im Bereich unserer Erziehung haben wir auch viele Ausflüge und kleinere Reisen innerhalb Boliviens mit allen Heimkindern oder einigen Größeren unternommen, sowie Tageswanderungen auf die „Cordilleros de los Frailes und Reisen an historische Orte Boliviens.
Der Wassertank im Heimgelände erlaubte uns, den Kindern die Kunst des Schwimmens beizubringen, was nur wenige Bolivianer beherrschen und etwas Besonderes ist. Olympiareife Kenntnisse erlangen sie sicherlich nicht, aber vielleicht hilft es zum Überleben bei einer kritischen Situation in ihrem Leben. Viele Menschen ertrinken in diesem Lande, da die meisten Flüsse bei plötzlichem Wasserzugang reißend und hoch werden.
Der weniger schöne Punkt in unserer Betriebszusammenfassung ist der der Erzieher und Erzieherinnen in unserem Heim. Circa 75 Erzieher haben im Laufe dieser Jahre ihre Arbeit in Oqharikuna begonnen und wieder beendet. Man könnte verschiedene Gründe dafür angeben, einer der wesentlichsten ist die schlechte oder besser nicht vorhandene Ausbildung als Erzieher. Dass das nicht gerade förderlich für ihre Arbeitsresultate und genau so wenig für die Erziehungsarbeit unserer Kinder ist, liegt auf der Hand. Leider sind wir diesem Problem machtlos ausgeliefert.
Lecheria de los Niños
Mit der kleinen Molkerei auf dem Heimgelände versuchten wir zu Beginn Einkünfte zu bekommen.
Nordöstlich von Sucre, in circa 20km Entfernung konnten wir ein Gelände, Quinray Punilla, erstehen, das als Milchbauerhof funktionieren soll. Wir bauten Stall und verschiedene Gebäude und begannen auf dem ganzen Grundstück von 120 Hektar die vorherrschende Erosion zu bekämpfen, was uns in den langen Jahren auch gelang. Inzwischen wurden, vorwiegend von unseren Jugendlichen aus dem Internat, circa 40.000 Pinien neu gepflanzt.
Wir fingen mit zehn Holsteinkühen an und haben heute fünfzig Kühe, die Dank der aufmerksamen Pflege unseres ehemaligen Heimzöglings Celin gesund und stabil sind. In den ersten Jahren gab es sehr viele Probleme und Enttäuschungen für uns. Inzwischen bekommen wir täglich um die 450 Liter Milch nach Sucre, außerdem frisches Gemüse und Kartoffel, die alle biologisch und ohne Chemie wachsen, sowie Futter für die Kühe.
Der Melkraum ist mit einer vollautomatischen Melkanlage ausgerüstet ebenso wie die Agronomie mit den entsprechenden landwirtschaftlichen Maschinen. In Kühltanks und Kühlauto gelangt unsere Milch in unsere Molkerei, wo sie verarbeitet wird, um dann an unsere Stammkundschaft ausgeliefert zu werden. Unsere Milch und Milchprodukte sind die besten von Sucre!
Surtidor de los Niños
Am 5. Oktober 2001 konnten wir endlich unsere Tankstelle, in der Nähe des Flughafens von Sucre, eröffnen. Es war sehr problematisch und mühsam, mit vielen Rückschlägen, aber nach und nach gelang es uns eine gut funktionierende Geldquelle einzurichten. Später fügten wir noch eine halbautomatische Waschanlage dazu und einige üblichen Dienstleistungen, wie Reifen flicken, Ölwechsel etc. Wir verkaufen heute im Schnitt 9.200 Liter Benzin und 9.080 Liter Diesel täglich. Ein eigener Tankwagen bringt täglich den Kraftstoff an die Tankstelle. Anfangs wurde dieser Volvo in Quinray Punilla eingesetzt, um ihn dann später aus Notwendigkeit zum Tankwagen umzubauen.
Von Anfang an suchten wir Kundschaft, sei es private oder institutionelle, mit dem Gedanken, jeder erwirtschaftete Centavo hilft unsere Kinder im Internat zu betreuen. Wir können heute sagen, dass große Teile der monatlichen Ausgaben zur Betreuung der heute vierzig Kindern und Jugendlichen im Haus Stefan von Einnahmen der Tankstelle gedeckt werden, und der Rest dank Ihrer Spenden.
Am Ende wollen wir Ihnen noch von einer Auszeichnung berichten. In unserem 15. Betriebsjahr von Oqharikuna, La Asociación Para la Protección del Menor, wurde unsere Leiterin, Brigitte Pleyer, von der Bürgermeisterei in Sucre mit dem „Orden Heroina Juana Azurduy de Padilla, en el Grado de Honor al Mérito“, stellvertretend für alle Mitarbeiter in Oqharikuna ausgezeichnet. Ihre uneigennützige Arbeit und Solidarität für den Bestand von Oqharikuna wurde in einem feierlichen Akt im roten Saal des Bürgermeisteramts der Stadt Sucre gewürdigt.
Ihnen, liebe Freunde von Oqharikuna, die uns all die Jahre beigestanden und unterstützt haben, danken wir heute sehr herzlich und versprechen, dass wir auch die nächsten Jahre zum Wohl der Kinder und Jugendlichen arbeiten werden.
Mit dem Wunsch an Sie alle, verbringen Sie ein „Gesegnetes Weihnachten“, beenden wir unseren heutigen
„Fünfzehn Jahre Oqharikuna“ – Bericht.








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